Das verlängerte Wochenende rund um den 8. Dezember nutzten wir für einen Ausflug in die Berge. Genauer gesagt nach St. Kathrein am Offenegg. Was es dort hoch oben im Almenland zu sehen gibt? Etliche Wanderrouten mit Attraktionen wie "Flugzeugabsturzstelle" oder "Schönes Kreuz" - und vor allem das Hotel-Restaurant Eder. Gediegene vier Sterne, eine nette kleine Wellness-Landschaft, angenehm normale Klientel ohne fette Bonzenmobile. Und ein Duo in der Küche, das seit Jahren grandiose Arbeit leistet. Unbemerkt von der Öffentlichkeit kann man jetzt nicht gerade sagen, Eveline Wild ist TV-Köchin auf ORF und ZDF, Konditorweltmeisterin und beim Eder unter anderem für die traumhafte Schokothek und das grandiose Kuchenbuffet verantwortlich.
Ihr Lebensgefährte Stefan Eder ist uns schon vor etlichen Jahren als großes Talent aufgefallen und er hat seine Fähigkeiten in der Zwischenzeit weiter perfektioniert. Als Hotelgast speist man abends fünfgängig, zuweilen kann man auch noch gegen Aufpreis zwei Gänge mehr bekommen. Man wird leicht satt, soviel vorweg. Neben schön cremigen Suppen zählt der asiatisch marinierte Schweinebauch zu den Spezialitäten von Stefan Eder. Süßsauer, hauchdünn geschnitten, reich an spannenden Aromen. Dann folgt Zwerchrippe vom Almo auf cremiger Polenta, herzhaft das Fleisch, zart milchig die Beilage.
Diesem Genuss steht das Zanderfilet mit schwarzem Risotto und Dillgurken um nichts nach. Und am Ende gibt es ein geschmeidiges Topfensouffle mit Früchten. Wer dann noch nicht genug Obst gehabt hat, darf sich noch ein Vogelbeerschnapserl bestellen. Hochgenuss auf 972 Metern über dem Meer.
Hotel-Restaurant Eder, 8171 St. Kathrein am Offenegg, I.Viertel 3, Tel. 03179 / 8235-0, www.wellness-eder.at, Die Facebook-Seite vom Eder
Monday, December 8, 2014
Wednesday, October 1, 2014
Folge 73: Fischbruch ist kein Malheur
Oft wird man als Beisl-Blogger nach Lokaltipps gefragt und in einer Stadt wie dieser tut man sich da nicht gerade leicht. Dennoch: Es gibt sie, die kleinen feinen Erlebnisse ohne großes Brimborium, die jedermann und jederfrau leicht zugänglich wären. Eines der meist frequentierten Lieblingsbeisln unserer Redaktion ist daher gar kein Beisl, sondern ein Standl. Wobei dieser Begriff neuerdings zu kurz greift, aber dazu gleich später.
Seit dem Jahr 1930 (!) verkauft Familie Meltschok bereits Fisch am Kaiser-Josef-Platz. Seit kurzem in einem rundum erneuerten Verkaufslokal, das deutlich schicker wirkt, an das man sich aber erst gewöhnen musste. Die Abläufe sind neu, die Vitrinen werden noch tiefer gesetzt, aber es schaut schon jetzt sehr ordentlich aus. Die Klassiker zu Mittag sind angenehmerweise dieselben geblieben. Fischbruch um heiße 7 EUR oder ein Mittagsgericht um 8,50 EUR inklusive Kartoffeln und Salat. In Bezug auf Letzteres empfehlen wir Wagemutigen den grasgrünen Algensalat Wakame, der besonders in Japan und Korea sehr beliebt ist und dem sogar vorbeugende Wirkung gegen Karzinome zugeschrieben wird. Was den Fisch angeht, wählt man am besten nach eigenem Gusto. Der eine schätzt nach wie vor den Thun, der andere ist meeresbiologisch korrekter und bestellt Saibling. Beim Meltschok gibt es all das ohne Grundsatzdiskussionen, aber dafür gerne auch mit einem Glaserl vom Weißen. Oder allenfalls auch mal ein Huhn. So soll es sein.
Meltschok, Kaiser-Josef-Platz Stand 59-61, 8010 Graz, DI-FR 7.30 bis 13.30, Sa bis 13 Uhr, SO und MO geschlossen.
© Foto: haubentaucher.at 2014
Seit dem Jahr 1930 (!) verkauft Familie Meltschok bereits Fisch am Kaiser-Josef-Platz. Seit kurzem in einem rundum erneuerten Verkaufslokal, das deutlich schicker wirkt, an das man sich aber erst gewöhnen musste. Die Abläufe sind neu, die Vitrinen werden noch tiefer gesetzt, aber es schaut schon jetzt sehr ordentlich aus. Die Klassiker zu Mittag sind angenehmerweise dieselben geblieben. Fischbruch um heiße 7 EUR oder ein Mittagsgericht um 8,50 EUR inklusive Kartoffeln und Salat. In Bezug auf Letzteres empfehlen wir Wagemutigen den grasgrünen Algensalat Wakame, der besonders in Japan und Korea sehr beliebt ist und dem sogar vorbeugende Wirkung gegen Karzinome zugeschrieben wird. Was den Fisch angeht, wählt man am besten nach eigenem Gusto. Der eine schätzt nach wie vor den Thun, der andere ist meeresbiologisch korrekter und bestellt Saibling. Beim Meltschok gibt es all das ohne Grundsatzdiskussionen, aber dafür gerne auch mit einem Glaserl vom Weißen. Oder allenfalls auch mal ein Huhn. So soll es sein.
Meltschok, Kaiser-Josef-Platz Stand 59-61, 8010 Graz, DI-FR 7.30 bis 13.30, Sa bis 13 Uhr, SO und MO geschlossen.
Thursday, September 11, 2014
Folge 72: Gemma zu ihm?
Offenbar will man uns mit allen Mitteln zwingen, diesen Beislblog wieder zu beleben. Jetzt eröffnete doch glatt direkt vor der Haustür unseres Redaktionsbüros eine neue Bar. Und der Architekt bestand geradezu darauf, dass wir uns das anschauen sollten. Also gut, Lui, hier sind wir. Feierlich eröffnet im Waschelregen wurde die Lokalität von Martin Girtler, der aus Sterzing in Südtirol stammt, am 11. September. Offen aber hat Lui schon etwas länger und sowohl die Gestaltung des Gastgartens als auch das Interieur lassen Vorbeigehende große Augen machen.

Das Konzept ist tatsächlich neu in dieser Stadt. Großes Klappfenster nach außen, das bei gutem Wetter geöffnet wird. Innen eher dunkel, aber auch irgendwo in der magischen Mitte zwischen stylish und gemütlich. Die gute Tisch- und vor allem Weinkultur ist dann das nächste, das auffällt. Die Speisekarte ist klein, aber fein. Wir verspeisten Focaccia mit Scamorza (einem Käse, der dem Mozzarella ähnelt) und Tomate sowie eine Variante mit Prosciutto zu je 4,90 Euro. Schmackhaft, sättigend, nicht so aufregend, dass man dafür alles liegen und stehen lassen würde. Das selbe gilt für die Minimuffins, die man als Dessert serviert. Aber Lui ist ja auch keine Osteria, sondern eben eine Bar. Und da zählt der Wein - der Wirt importiert mit Sachverstand selbst gute Tropfen aus Italien, darunter viele biologische und biodynamische - und naturalmente der Kaffee zu den wichtigeren Dingen.
Martin Girtler nennt sein Lokal übrigens nicht aus Jux und Tollerei "Aperitivo", sondern ob der Beobachtung, dass es diesen italienischen Typus zumindest in Ost-Österreich derzeit noch nicht gibt. Auch wenn Lui den ganzen Tag über geöffnet hat, die Prime-time erlebt ein "Aperitivo" nach der Arbeit ab 18 Uhr. Und schlägt der Konkurrenz in Form der Cafés, die bereits um 20 Uhr schließen, ein Schnippchen ohne gastronomisch mit Restaurants mithalten zu wollen. Zu den Drinks gibt es kleine Häppchen, so einfach und mediterran kann das Leben sein. Ach ja, der Name kommt vom Ausdruck für "Gemma zu ihm" (nämlich zum Wirten), den man besonders im Piemont sehr oft zu hören bekommt. Und das heißt eben im Original "andiamo da lui". Und das machen wir jetzt auch öfter nach der harten Arbeit in der Haubentaucher-Zentrale.
LUI Aperitivo, Färbergasse 7, 8010 Graz, lui-bar.com, Tel: +43 660 12 23 287, MO-FR 9-24 Uhr, SA bis 02 Uhr.
Fotos: alexander rauch / lui
Saturday, August 30, 2014
Folge 71: In der Zeitung
Es ist einfach verhext. Noch immer fragen Leserleins nach, ob wir nicht dies oder jenes neue Beisl in Graz besprechen könnten. Erstaunlicherweise sperrt ja doch der eine oder die andere Wagemutige selbst in schwierigen Zeiten auf. Na super und jetzt kommt auch noch die Krone daher und berichtet über diesen Blog, der eigentlich so schön zur ewigen Ruhe gebettet war.
Also gut: Überredet. Ab 7. September 2014 geht es wieder los. Aber bis dahin müssen Sie jetzt ganz stark sein. Und durchhalten.
Mahlzeit...
Also gut: Überredet. Ab 7. September 2014 geht es wieder los. Aber bis dahin müssen Sie jetzt ganz stark sein. Und durchhalten.
Mahlzeit...
Tuesday, November 26, 2013
Folge 70: Sag niemals nie mehr
Vorbemerkung in eigener Sache: Es ist wie in einem guten alten Beisl. Kaum will man zusperren, kommen die Stammgäste und bedauern das Ende. Eine war besonders eifrig und hat das vielleicht interessanteste Comeback der Saison als Gast-Kritikerin besucht. Meine Damen und Herren, Vorhang auf für Literatin Andrea Stift und die Geidorfstub'n...
Ein Hoch auf die Gemütlichkeit
Obwohl ich schon seit zwanzig Jahren in Graz-Geidorf wohne, war ich noch nie in der Geidorfstub'n. Mein Lieblingssoziologe schon. Oft gingen wir am geschlossenen Lokal vorbei und er erzählte mir, wie schön es dort früher war. Und immer überlegten wir, was da wohl draus werden würde. Es wurde etwas Unerwartetes: Die Geidorfstub'n hat wieder offen!
Wir betreten die wunderbare Stube wochentags gegen 18.00 und erkennen an der Theke, die gleichzeitig den Großteil des Raucherbereichs darstellt, gleich einmal Entscheidendes: Der Kühnelt hat Recht gehabt, die Restauration ist wieder in Händen der ursprünglichen Betreiber, der Rauschers (sic!). Die beiden Schwestern Rauscher verteilen sich auf Bedienung/Schank und die Küche, in der auch Vater Rauscher werkt. Warum die Rauschers vor etwa 5 oder 6 Jahren überhaupt zugesperrt haben, das erfahren wir nicht, dafür aber den Grund fürs Wiederaufsperren: die kollektive Rauscher-Lust!
Was ist nun neu an der Geidorfstub’n? Nicht viel und das ist wunderbar. Das Lokal hat sich ebenso wie die Speisekarte verkleinert, die neben ein, zwei tagesaktuellen Gerichten Klassiker der Beislkultur versammelt und diese um ein, zwei fragwürdige Exoten erweitert. Die Miesmuscheln etwa werden zwar angenommen, aber wir fragen uns, ob man in diesem Rahmen nicht einfach konsequent bei der steirischen Hausmannskost bleiben sollte. Die ist nämlich vorzüglich. Während wir unsere sehr gute, vielleicht ein bisschen zu salzige Zwiebelsuppe verkosten, beobachten wir die anderen Besucher. Viele Gäste kommen und freuen sich, dass wieder aufgesperrt wurde. Die Klientel ist bunt gemischt, das Lokal sehr gut besucht. Die Vertäfelung des Nichtraucherbereiches hat man versucht durch zuckerlrosa Farbakzente aufzupeppen. Auch wenn man farblich nicht übereinstimmt, ist es doch sehr gemütlich, ein Lokal zum ewigen Sitzenbleiben.
Als Goodie bestellt sich Frau Stift ihre geliebten Datteln in Speck, die mit Chiliflocken und Pfeffer simpel, aber grandios verfeinert wurden (3,80). Die Wildcremesuppe mit Sahnehäubchen und Preiselbeeren hätte uns auch angelacht, gleichzeitig wirft sie die Frage auf, wieso man Wildcremesuppe anbietet, aber kein einziges Stück Wild. Gelegenheit dafür böte die Tageskarte, die an diesem Abend ganz der Wurst verschrieben ist. So beschließen wir schnell, auch den Garnelenspieß außen vor zu lassen und uns je ein Stück Blut- und Breinwurst mit Sauerkraut einzuverleiben (ungefähr 6,50 Euro. Man erkennt die Laiengastrokritiker daran, dass sie nicht daran denken, sich Preise zu merken). Beide Würschtel sind solide und unaufdringlich gewürzt, das Sauerkraut dezent und gaumenschmeichelig. Zur Nachspeise gibt es leider nur Eis, das ist ein bissl schade und ein unausgeschöpftes Potential zur Umsatzsteigerung. Schade auch, dass es außer Salaten, Ofenschafskäse und Gemüselaibchensemmel nichts Vegetarisches gibt. Schwer überzeugend präsentiert sich dafür der Wein zu bodenständigen Preisen. Wir verkosten Sauvignon und Weißburgunder von südsteirischen Weingut Gerngross, außerdem Blaufränkischen vom Lehrner aus Horitschon, der so ist wie ihn mein Lieblingssoziologe liebt, nämlich sanft und elegant. Die Auswahl ist klein, aber fein. Auch der Hauswein (Welschriesling vom Rauschenberger um 1,80 das Achterl) überzeugt.
Fazit: Ein Grazer Beislklassiker feiert seine Auferstehung. Überzeugte Nichtraucher werden hier nicht glücklich werden, Vegetarier vermutlich auch nicht. Dafür diejenigen, die schon immer hierher gegangen sind und die, die hier immer schon mal hergehen wollten. Eine definitive Bereicherung fürs Geidorfviertel und die Gemütlichkeit.
Geidorfstubn, Bergmanngasse 21, 8010 Graz, Öffnungszeiten (derzeit) 17- mindestens 24 Uhr, Tel. 0316-686671
© Text und Fotos: Andrea Stift, 2013
Wednesday, October 23, 2013
Folge 69: Und aus!
Liebe Leserschaft, wir machen Schluss. Schluss mit diesem Beislblog, der zuletzt ohnehin nur mehr nachlässig geführt wurde. Dass in den kommenden Monaten in der Grazer Gastrowüste weitere Oasen verschwinden werden (das Prato ist damit explizit nicht gemeint!), hat damit auch zu tun. Aber nicht nur, es geht sich zeitlich einfach nicht mehr aus und es macht auch keinen Spaß mehr. Denn anders als die Bewertungen des GaultMillau das suggerieren, wird die Grazer Gastronomie immer eintöniger und farbloser. Jedenfalls unserer Meinung nach.
Der Blog bleibt eine Zeit lang online - Sie sind herzlich eingeladen, uns Lokaltests aus der Steiermark und darüber hinaus zu schicken. Mit Jahresende werden wir die Seite endgültig abdrehen.
Zum Abschied noch ein Hinweis in eigener Sache: Das Buch "Grazer Beislballaden" wurde vor kurzem präsentiert. Herausgegeben von Andrea Stift und dem Betreiber dieses Blogs. Es vereint 29 Autorinnen und Autoren, die über ihr Lieblingslokal in Graz schreiben. Erhältlich im guten Fachhandel und über die einschlägigen Internetportale. Man liest sich, man sieht sich, man hört sich. Anderswo...
Der Blog bleibt eine Zeit lang online - Sie sind herzlich eingeladen, uns Lokaltests aus der Steiermark und darüber hinaus zu schicken. Mit Jahresende werden wir die Seite endgültig abdrehen.
Zum Abschied noch ein Hinweis in eigener Sache: Das Buch "Grazer Beislballaden" wurde vor kurzem präsentiert. Herausgegeben von Andrea Stift und dem Betreiber dieses Blogs. Es vereint 29 Autorinnen und Autoren, die über ihr Lieblingslokal in Graz schreiben. Erhältlich im guten Fachhandel und über die einschlägigen Internetportale. Man liest sich, man sieht sich, man hört sich. Anderswo...
Sunday, August 25, 2013
Folge 68: In den Bergen

Das soll die Generationen verbinden und die Hungrigen und Durstigen zufrieden stellen. In Alpbach ist die Vollpension ein Ort der Kultur (zum Beispiel mit Open-air-Kino), vor allem aber ein angenehmer Gegenpol zu der reichlich skurrilen Alpenidylle, die hier den Fremden vorgegaukelt wird. Die Location, ein aufgelassenes Hallenbad, tat das Übrige dazu, um einen nachhaltig positiven Eindruck zu hinterlassen. Frisches Bier, Brötchen und eben Kaffee und Kuchen wurden von 12 bis 22 Uhr serviert. Und das Chili con carne in der Vollpension wäre sicher die bessere Wahl gewesen, als das an anderem Orte genossene Gröstl.
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