Noch mehr als diese Nachspeise zitterte der Wirt, als er erfuhr, dass wir von der Presse sind und über sein Lokal berichten werden. Wie und was und wo erfahrt ihr erst in zwei Wochen. Aber schon jetzt gibt es dieses geschmeidige Video als "Vorgeschmack":
Thursday, December 1, 2011
Folge 29: Fasan süßsauer
Das Gasthaus Dorrer am Steinberg wurde dem Herrn Kritiker immer wieder empfohlen und so machte er sich eines Tages doch noch auf den Weg, der zumindest mit dem Auto gar nicht beschwerlich ist. Das Wirtshaus existiert seit über 100 Jahren, neuerdings ist die junge Generation am Werk und die will ein bisschen mehr bieten als nur ein großes Gasthaus mit solider Küche. Das führt dazu, dass die an sich sehr ordentlichen Gerichte etwas gar viel an Beiwerk bekommen. Besser wäre es, einfach und geradlinig zu arbeiten, wenn man uns fragt.

Die Petersilienwurzsuppe mit Fleischbällchen ist ausgiebig und schön cremig. Der Fasan ist leider ziemlich trocken, die Bohnschotten sehr al dente. Und die Wildente bräuchte nicht soviel Drumherum, vor allem nicht soviel Sauce.

Interessant ist ja die immer wieder deutlich feststellbare Tendenz zum Süßsauren, die der Küchenchef da auslebt. Angesichts der Tatsache, dass die Steinbergstraße fast so etwa wie die China Town von Graz ist, fragt man sich, ob da eine Annäherung ans Asiatische versucht wird. Die abschließende Dessertvariation war dann nicht sauer, sondern nur süß.

Und sie war M.E.G.A. - mit anderen Worten: Das bringt man auch zu zweit kaum weg. Ist zwar alles lieb gemeint, aber einfach viel zu viel. Trotzdem: Wenn Sie mal in der Nähe sind, schauen Sie sich den Dorrer an, vielleicht haben wir ja nur einen extremen Tag erwischt.
Gasthof Dorrer, Steinbergstraße 41, 8052 Graz, Tel. 0316/582647, warme Küche Fr–Di 11–22 Uhr,
www.gasthof-dorrer.at

Die Petersilienwurzsuppe mit Fleischbällchen ist ausgiebig und schön cremig. Der Fasan ist leider ziemlich trocken, die Bohnschotten sehr al dente. Und die Wildente bräuchte nicht soviel Drumherum, vor allem nicht soviel Sauce.

Interessant ist ja die immer wieder deutlich feststellbare Tendenz zum Süßsauren, die der Küchenchef da auslebt. Angesichts der Tatsache, dass die Steinbergstraße fast so etwa wie die China Town von Graz ist, fragt man sich, ob da eine Annäherung ans Asiatische versucht wird. Die abschließende Dessertvariation war dann nicht sauer, sondern nur süß.

Und sie war M.E.G.A. - mit anderen Worten: Das bringt man auch zu zweit kaum weg. Ist zwar alles lieb gemeint, aber einfach viel zu viel. Trotzdem: Wenn Sie mal in der Nähe sind, schauen Sie sich den Dorrer an, vielleicht haben wir ja nur einen extremen Tag erwischt.
Gasthof Dorrer, Steinbergstraße 41, 8052 Graz, Tel. 0316/582647, warme Küche Fr–Di 11–22 Uhr,
www.gasthof-dorrer.at
Wednesday, November 23, 2011
Folge 28: The incredible Mr. Rox

Ein Essen wie damals...
Moooment: Ein neues Steak-Lokal am Joanneumring? Wo soll das sein? So reagierte nicht nur der Autor dieser Zeilen, sondern viele, die von Rox Bar & Grill hörten und lasen. Ja, die Ortswahl ist seltsam. Mitten in die Innenstadt eine Riesenhütte mit Heineken-Werbung, gefakten E-Gitarren, mehr als einem Dutzend Flachbildfernsehern und einer rekordverdächtigen Bar hinzupflanzen, muss einem erst einmal einfallen. Wo einst in der Boutique Novarium die Schönen dieser Stadt ihr Outfit zusammenstellten, sitzen jetzt Menschen wie aus der Baumarktwerbung und süffeln Leichtbier.
Wuuuuaaa, die Pommes können leider gar nichts...
Die Steaks sind in erster Linie kostspielig, vor allem wenn man bedenkt, dass in dieser Gegend viele Jugendliche unterwegs sind. Die Bildschirme zeigen Videos ohne Ton, der nicht dazu gehörige Sound klingt wie ö3-Greatest Hits of Rock. Immerhin: Das Fleisch war nicht so schlecht und so wie es aussieht, geht die Bude auch gar nicht übel - zumindest eine anfängliche Neugierde der lokalen Bevölkerung will befriedigt werden. Über die Beilagen, die Einrichtung und die Desserts wollen wir ansonsten den Mantel des Schweigens breiten.
Rox Bar & Grill, Joanneumring 5, 8010 Graz, Mo–Do 17–04 Uhr, Fr und Sa 11–04 Uhr, Küche bis 24 Uhr, www.rox-barandgrill.at
Wednesday, November 16, 2011
Folge 27: Zur Gans

Vergangenes Wochenende stand endlich wieder ein Ausflug in den Osten der Steiermark an. Eine gerade im Spätherbst bezaubernd schöne Gegend ohne Bustouristen (wenn man von der Riegersburg und dem Zotter-Parkplatz absieht). Eines der besten Wirtshäuser in der weiteren Umgebung ist der Haberl in Walkersdorf bei Ilz. Seit etlichen Jahren geführt von Hans Peter Fink, seiner Frau Bettina und seinem Schwager Mario Haberl - und damit bestens gerüstet für verwöhnte Gourmets, aber auch für große Runden mit weniger raffiniertem Geschmack.

Falls hier jemand aus dem Prato in Graz mitliest: die in Walkersdorf haben auch zwei Hauben und 15 Punkte von Gault&Millau. Und jetzt schaut euch mal an, was die dafür auf den Tisch bringen und was das budgetär für die Gäste bedeutet. Wir wollen aber nicht schimpfen, sondern lieber loben. Zum Beispiel Haberls kleine, aber feine Auswahl an offenen Weinen. Die kräftigen, aber nie deftigen Suppen.

Das unheimlich zarte Ganserl mit sehr spaßigen Erdäpfel-Petersil-Knödeln und zum Abschluss die fruchtige Maroni-Torte mit Preiselbeeren. Das ganze serviert von erfahrenen, freundlichen, kompetenten Servicemitarbeiterinnen, die man in Graz so sehnlichst vermisst - auch im erwähnten Prato, aber nicht nur dort. Das heißt dann auch, dass man die eine oder andere Extraleistung einfach so erbringt, zum Beispiel ein Mini-Eis für den kleinsten Gast oder einen Kuchen samt Kerze für das Geburtstagskind. Wenn Sie das nächste Mal in der Gegend sind, rufen Sie vorher bei Haberl & Fink an und reservieren Sie ein Platzerl. Sie werden es nicht bereuen...

Gasthaus Haberl, Walkersdorf 23, 8262 Ilz, Tel. 03385-260, www.finks-haberl.at
Monday, October 31, 2011
Folge 26: Pass me the pot please!
Der Herbst wird doch noch ein schöner und in Grazer Parks wie dem Augarten kann man noch immer oder schon wieder draußen sitzen. Im Megaphon-Café am Rande des Augartens gibt es zum Zwecke zusätzlicher Erwärmung natürlich keine bösen Heizschwammerln, sondern Suppen und Eintöpfe aus der Hot-Pot-Küche von Oliver Binder-Krieglstein.

Gibt es mit und ohne Fleisch. Schön temperiert, könnte fast noch etwas schärfer sein. Aber nachwürzen kann man ja immer. Schmeckt gut, tut gut, geht neuerdings sogar einigermaßen schnell. Ein nettes Café, das in Graz immer noch zuwenig Bekanntheit genießt. Denn mal ganz ehrlich: wo serviert man so charmanten Kaffee wie hier?

Megaphon im Auschlössl, Friedrichgasse 36, 8020 Graz, Tel. 0316/8015-656, derzeit täglich von 9 (bzw. 10 am Sonntag) bis 18 Uhr

Gibt es mit und ohne Fleisch. Schön temperiert, könnte fast noch etwas schärfer sein. Aber nachwürzen kann man ja immer. Schmeckt gut, tut gut, geht neuerdings sogar einigermaßen schnell. Ein nettes Café, das in Graz immer noch zuwenig Bekanntheit genießt. Denn mal ganz ehrlich: wo serviert man so charmanten Kaffee wie hier?

Megaphon im Auschlössl, Friedrichgasse 36, 8020 Graz, Tel. 0316/8015-656, derzeit täglich von 9 (bzw. 10 am Sonntag) bis 18 Uhr
Wednesday, October 19, 2011
Folge 25: An der schönen grünen Mur
Das da ist Günter Zach, einer der coolsten und auch irgendwie angenehm stursten Köche der südlichen Steiermark.

Der hat sich vor einiger Zeit das Lokal neben der Schiffsmühle in Mureck gekauft. Sieht alt aus diese Mühle, ist aber erst 1997 nach historischem Vorbild in den Fluss bugsiert worden.

Die Liegenschaft gehörte früher Franz Zach, mit dem Wirt weder verwandt noch verschwägert. Dieser Herr Franz hat einen spektakulären Crash hingelegt mit seiner Parkettenfirma, das tut aber hier eigentlich nichts zur Sache. Der Herr Günter jedenfalls hat eine Haube zu verteidigen und tut das auf kraftvolle bodenständige Art. Die Gerichte bekommen dann auch zuweilen eine Deko, die ganz schön retro ist, aber wen sollte das hier stören?
Die Fischsuppe (5,50 EUR) zum Beispiel ist ein Hammer.

Volle reife Tomaten, eine Menge Meeresgetier, juhu. Oder der Knoblauch auf Forelle (12,90): nichts für zarte Gemüter, aber geschmacklich unübertroffen.

Der Almochse auf heißem Stein ist natürlich auch ganz schön resch. Und die Nachspeisen sind auch nicht unbedingt minimalistische Patisserie.

Ein grandioses Ausflugsziel auch im Herbst und Winter. Enorm beliebt für Weihnachtsfeiern und Hochzeiten. Sollten Sie Ähnliches vorhaben: Rechtzeitig reservieren!
Restaurant Mühlenhof, Am Mühlenhof 1, 8480 Mureck, Tel. 03472/2952, bis 11. November täglich 10–20 Uhr, Fr und Sa 10–22 Uhr, ab 12. November nur am Wochenende geöffnet www.schiffsmuehle.at

Der hat sich vor einiger Zeit das Lokal neben der Schiffsmühle in Mureck gekauft. Sieht alt aus diese Mühle, ist aber erst 1997 nach historischem Vorbild in den Fluss bugsiert worden.

Die Liegenschaft gehörte früher Franz Zach, mit dem Wirt weder verwandt noch verschwägert. Dieser Herr Franz hat einen spektakulären Crash hingelegt mit seiner Parkettenfirma, das tut aber hier eigentlich nichts zur Sache. Der Herr Günter jedenfalls hat eine Haube zu verteidigen und tut das auf kraftvolle bodenständige Art. Die Gerichte bekommen dann auch zuweilen eine Deko, die ganz schön retro ist, aber wen sollte das hier stören?
Die Fischsuppe (5,50 EUR) zum Beispiel ist ein Hammer.

Volle reife Tomaten, eine Menge Meeresgetier, juhu. Oder der Knoblauch auf Forelle (12,90): nichts für zarte Gemüter, aber geschmacklich unübertroffen.

Der Almochse auf heißem Stein ist natürlich auch ganz schön resch. Und die Nachspeisen sind auch nicht unbedingt minimalistische Patisserie.

Ein grandioses Ausflugsziel auch im Herbst und Winter. Enorm beliebt für Weihnachtsfeiern und Hochzeiten. Sollten Sie Ähnliches vorhaben: Rechtzeitig reservieren!
Restaurant Mühlenhof, Am Mühlenhof 1, 8480 Mureck, Tel. 03472/2952, bis 11. November täglich 10–20 Uhr, Fr und Sa 10–22 Uhr, ab 12. November nur am Wochenende geöffnet www.schiffsmuehle.at
Friday, October 14, 2011
Folge 24: Umptata, holladrio
Graz ist nicht München und Eggenberg kein Freizeitpark. Das vor einigen Wochen eröffnete Brauhaus Eggenberg versucht dennoch das Unmögliche, nämlich das ganze Jahr Silvesterstadl zu spielen. In einem riesigen Lokal, das ein wenig wirkt wie ein Asiarestaurant mit karierten Tischdecken, bietet man als Hauptattraktion einen drehbaren Tisch, genannt Bierkarussell.

Da man sich aber anscheinend nicht ganz sicher war, ob das in Sachen Entertainment ausreicht, hat man auf die dahinterliegende Fototapete auch noch einen Flachbildfernseher geklatscht. Schön so was.

Das Bier kommt aus Murau und nicht etwa aus der hauseigenen Brauerei (die gibt es nämlich gar nicht), schmeckt jedenfalls deutlich besser als das Essen. Nehmen wir mal das Kapitel Fleisch: sieht etwa so ein Burger aus?

Im Brauhaus Eggenberg schon. Oder das "Fischfilet", das sich auf Nachfrage als Rotbarsch herausstellt. Finden Sie hier auf Anhieb einen Fehler?

Die Nachspeisen bieten dann eine hübsche Zeitreise in die 70er/80er Jahre. Zum Beispiel die Eispalatschinken hier im Bild.

Fazit: Soziologisch höchst interessant. Musikalisch schmerzhaft. Gastronomisch belanglos. Typisch Genusshauptstadt Graz halt...
Brauhaus Eggenberg, Laudongasse 25, 8020 Graz, Tel. 0316/818506, täglich 9–24 Uhr, www.brauhaus-graz.at

Da man sich aber anscheinend nicht ganz sicher war, ob das in Sachen Entertainment ausreicht, hat man auf die dahinterliegende Fototapete auch noch einen Flachbildfernseher geklatscht. Schön so was.

Das Bier kommt aus Murau und nicht etwa aus der hauseigenen Brauerei (die gibt es nämlich gar nicht), schmeckt jedenfalls deutlich besser als das Essen. Nehmen wir mal das Kapitel Fleisch: sieht etwa so ein Burger aus?

Im Brauhaus Eggenberg schon. Oder das "Fischfilet", das sich auf Nachfrage als Rotbarsch herausstellt. Finden Sie hier auf Anhieb einen Fehler?

Die Nachspeisen bieten dann eine hübsche Zeitreise in die 70er/80er Jahre. Zum Beispiel die Eispalatschinken hier im Bild.

Fazit: Soziologisch höchst interessant. Musikalisch schmerzhaft. Gastronomisch belanglos. Typisch Genusshauptstadt Graz halt...
Brauhaus Eggenberg, Laudongasse 25, 8020 Graz, Tel. 0316/818506, täglich 9–24 Uhr, www.brauhaus-graz.at
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