Thursday, December 13, 2012

Folge 59: Die Weihnachtsfeier(n)

Alljährliche kritische Frage: Wo geht man in größerer Runde hin, um das anstehende Weihnachtsfest zu begießen und zu bespeisen? Das Lokal muss groß genug sein, Wirtsleute und Stammgäste tolerant gegenüber mancher spontaner Lärmentwicklung (Lachen, Knutschen, Streit mit dem Chef). Das Essen sollte gut, aber aus dem Cash-flow finanzierbar sein. Die Raucher wollen irgendwo rauchen. Die Nichtraucher nicht. Es sollte flott gehen und das Personal braucht gute Nerven für dauernde Einzelbestellungen. Wohin also?

Nach zwei absolvierten Weihnachtsfeiern 2012 kann der Beislblogger beruhigt Zwischenbilanz ziehen. Feier Nr. 1 im Hofkeller in mittelgroßer Runde gut überstanden. Vorspeisen delikat (vor allem die Pimientos!), Hauptspeisen solide bis sehr gut, die Tagliata zum Beispiel ausgezeichnet, wenn auch das Fleisch in der Steakboutique vielleicht doch noch einen Hauch exquisiter ist. Die Nachspeisen okay. Die Weine sehr nett (und leistbar). Die Bedienung umsichtig und freundlich. Dazu ein angenehmer Platz im Nebenraum.

Das Bild zeigt den Hofkeller-Wirt bei der Arbeit am Hofkeller-Computer. Eine Szene, die nix, aber auch wirklich gar nix mit der Feier zu tun hat. Aber das Foto ist zumindest mal was anderes als die ewig gleichen Essensbildchen oder?



Feier Nr. 2 gestern bei dem Italiener in Graz, von dem die anderen Italiener in Graz sagen, dass er die beste Pizza der Stadt habe. Das Regina Margherita hatten wir hier auch schon mal im Programm, man kann allerdings berichten, dass die zwischenzeitlichen Schwächen ganz offensichtlich beseitigt sind. Das Lokal ist proppenvoll (noch mindestens drei Feiern außer der unsrigen). Trotzdem geht es flott dahin. Die Vorspeisen nett, die Pizza tatsächlich sehr gut, aber auch die Goldbrasse in Alufolie mit Kartoffeln und Tomaten kann man wirklich empfehlen. Detto das zart rosige Beiried. Und die Nachspeisen versüßen einem den Abschied.

Das Stilleben der königlich-margarethlichen Tischdeko stammt vom ersten Test im Sommer 2011. Die Lichtverhältnisse bei der abendlichen Feier waren nicht dazu angetan, brauchbare Fotos zu knipsen. Aber Sie können sich bestimmt vorstellen, wie Pizza aussieht.

Die dritte und letzte Weihnachtsfeier steigt dann im Gasthaus Yereli in der Grabenstraße. Aber das Thema hatten wir ja letztes Jahr schon:
Folge 33: Am Schnitzelgraben

© Fotos: haubentaucher.at



Hofkeller, Hofgasse 8, 8010 Graz, Tel. 0316/832439, www.hofkeller.at 


Regina Margherita, Herrengasse 7, 8010 Graz, Tel. 0316/836525, www.barbaro.at
Gasthaus Yereli, Grabenstraße 32, 8010 Graz, Tel. 0316/685347

Friday, November 23, 2012

Folge 58: Saibling, bling, bling...

wurde auf Wunsch des Wirtes entfernt. Anm. d. Red.

Folge 57: Am Platz

Bei manchem Gastronomiebetrieb muss man als gelernter Grazer Beislblogger vorsichtig sein: Wenn man die Besprechung zu lange hinauszögert, kann es sein, dass die Lokalität schon wieder zu hat, bevor der Bericht online geht. Am Jakominiplatz gibt es diesbezüglich wohl den heurigen Rekordhalter. Der Wirt, der das Standl gegenüber des Dorotheums zu einem französischen Bistro machen wollte, sperrte schon nach zwei Tagen wieder zu. Doch es fand sich rasch ein Nachfolger und der macht zumindest vorerst alles richtig. Im "s'Jacko" gibt es kleine Gerichte, täglich wechselnd, sauber und frisch gekocht. Dazu sehr freundliches Service und ein paar ordentliche Weine, das geht schon gut.

 


Das da links ist übrigens der Max. Manche werden ihn aus dem richtigen Leben kennen, andere vielleicht aus dem Buch "Angerichtet". Der Max ist ein Wirtshauskind und seit er erwachsen ist: Kein ganz einfacher Kunde, den zwickt bald mal was im Magen. Mit dem Risotto im "s'Jacko"aber war er hochzufrieden (man sieht es) und mit den Antipasti auch. Und wenn der Max mit was zufrieden ist....


s’Jacko, Jakominiplatz Stand 18/ vis á vis vom Dorotheum, 8010 Graz. Mo–Fr 6–22 Uhr, Sa 8–15 Uhr

Wednesday, November 7, 2012

Folge 56: Das Stadtgespräch

Eines ist dem jungen Team im alten neuen Laufke bravourös gelungen: Man ist in aller Munde. Wer schon dort war, tat dies dem Beislkritiker in den letzten Tagen und Wochen per Facebook, Twitter oder auch via Telefon kund. Und all die anderen fragen permanent nach, ob man die Lokalität denn empfehlen könnte. Kürzest mögliche Antwort: Naja.

Die Substanz des schönen alten Restaurants wurde nicht nur erhalten, sondern aufgewertet. Grafische Gestaltung von Tafeln, Karten etc: 1a. Als abendlicher Treffpunkt geht der Laufke offensichtlich gut, nahe genug am Uni-Viertel ist man ja. Entsprechend verraucht riecht das Lokal dann am nächsten Tag zu Mittag. Wer's mag...

Der Service und die Kochkünste zählen derzeit hingegen sicher nicht zu den Stärkefeldern des Lokals in der Elisabethstraße. Bei der Tischreservierung, am Telefon und bei anderen Gelegenheiten des Kontakts muss dringend mehr Ordnung in den Laden. Und wer als Betreiber eines selbsternannten gutbürgerlichen Gasthauses so wenig auf der Karte hat, sollte das schon tadellos hinbekommen. Tut er aber nicht. Dass die Knödel mit Ei komplett daneben gingen (innen gatschig, außen verbrannt) ist zwar verwunderlich, aber richtig ärgerlich ist erst die Reaktion des Wirtes, der sich angesichts des vollen Tellers echauffiert, als hätten wir Gäste etwas falsch gemacht.

Alles andere (Kaspressknödelsuppe auf Gemüsebasis statt mit Rindssuppe, Pfefferkotelette mit passablem Püree, Topfenstrudel mit Fertigteig) ist für Grazer Verhältnisse Beisl-Durchschnitt. Grund zur Euphorie gibt es jedenfalls keinen. Und eines sei dem aufgeregten jungen Kollegen von der Stadtzeitung auf diesem Wege gesagt: Die Gerichte vom Nebentisch mögen "lecker" aussehen, was zählt, ist aber immer noch das eigene Essen.

  
Kaffee Restaurant Bar Laufke, Elisabethstraße 6, 8010 Graz. Di–Sa 10–02 Uhr, www.laufke.net

Thursday, October 11, 2012

Folge 55: Hole in one


Es hat ja jede/r so sein Lieblingsbeisl, zuweilen losgelöst von der Frage nach bestmöglicher Qualität. Des Autors bevorzugter Fleck in Graz war lange Zeit die Mucki, auch als Franziskanerkeller bekannt. Am Rande des Franziskanerplatzes zog die Mucki die Beamten an und die letzten Bohemiens, selten hingegen die Schickis und Mickis. Nach einer großartigen Zeit mit dem alten Herrn Bundschuh, einem Großmeister des Charme, des gepflegten Biers, des Gulaschs und des Knödels mit Ei, kam eine Phase der Neuübernahmen. Zuletzt war das Beisl nur mehr ein Schatten seiner selbst. 

 


Nun kommt wieder Leben in die Bude. Zoran Gavric, früher in Tirol als Wirt tätig, gibt sich zusammen mit Frau und Sohn alle Mühe, um die Mucki erneut zu einer guten Adresse zu machen. Zart skurril die neuen Deko-Elemente, die darauf hinweisen, dass der Gastronom ein begeisterter Golfspieler ist. Sehr gut - und auch sehr sättigend - die Sterzroulade mit Spinat und Mozzarella. Auch der Tafelspitz kann sich sehen lassen. Noch nicht ganz überzeugt hat uns das Gulasch (das Foto sagt eh einiges) und die Gnocchi, die zu lang im Wasser waren. Dafür war aber zumindest der Trüffel auf den Teigwaren eine Wucht.




Wir lehnen uns mal weit raus und sagen: Herr Gavric und die Mucki, das könnte ein Birdie werden, wenn nicht sogar ein Hole in one. Update Juni 2013: Nix ist es geworden. Die Mucki ist bummfest zu. Die Eigentümerin sucht einen neuen Betreiber, der steirisch kochen will. Viel Glück, alte Mucki!

Muckis Franziskanerkeller, Kapaunplatz 5 / Franziskanerplatz, 8010 Graz. Geöffnet Mo 17–23 Uhr, Di–Sa 10.30–23 Uhr, So geschlossen Tel. (provisorisch) 0676/7243801.

Tuesday, September 25, 2012

Folge 54: Comeback in Andritz

Ein neuer Trend belebt die Grazer Gastronomie: Alte Wirtshäuser werden frisch übernommen, zugleich steigt die Qualität. Hätte man kaum für möglich gehalten, aber nach dem Lorenzhof in Weinitzen hat sich auch der Binderwirt in Andritz nach Jahren der Experimente endlich erfangen. Weitere Beispiele in der Innenstadt demnächst hier in diesem Kanal.

Vis á vis des Stuckitzbads kann man nun wieder unkompliziert und angstfrei essen gehen. Der junge Herr Wirt, Manuel Linhart, war zuletzt im Torona am Färberplatz und hat dort gelernt, wie man ein Geschäft führt. Die Inneneinrichtung hat sich leider in den vergangenen Jahren sehr deutlich von einem Beisl entfernt, aber vielleicht lässt sich das peu a peu wieder rückbauen. Die Gasträume könnten etwas breiter und geräumiger sein – wenn man schon beim Renovieren wäre...

 

Gekocht wird im Binderwirt sehr ordentlich, die Grießnockerlsuppe ist eine der besten, die wir in den vergangenen Jahren verspeisten. Bei den Hauptspeisen stimmt die Richtung, aber das eine oder andere lässt sich noch verbessern. Das Verhältnis zwischen Sauce und Beilage etwa sollte nicht 2:1 sein, sonst ist die Überschwemmung am Teller vorprogrammiert. Das Fleisch ist gut, aber noch nicht sehr gut. Die Desserts hingegen sind schon jetzt sehr zu empfehlen. Grießflammerie und Espressomousse sind mit EUR 4,60 zwar im Premiumbereich angesiedelt, aber aufgrund ihrer Qualität den Preis eindeutig wert. Gut besucht ist die Lokalität übrigens auch schon, die Andritzer Mundpropaganda läuft auf Hochtouren. Eine Reservierung zu Mittag schadet also nicht.


Der Binderwirt, Andritzer Reichsstraße 28, 8045 Graz, Mo–Sa 11.30–14.30 und 18–22 Uhr, Tel. 0316/320582, www.derbinderwirt.at

Tuesday, September 11, 2012

Folge 53: My home is my Putenpariser


Wenn man im früheren Fink anruft, um einen Tisch zu reservieren, so ist das derzeit erstens eine unnötige Fleißaufgabe und zweitens lustig. "Hier ist das frühere Fink", meldet sich eine Stimme. Das sagt wohl alles über die Positionierung des Lokals, das jetzt "Egger's" heißen muss. Es hat sich praktisch nichts geändert am Freiheitsplatz und wenn doch, dann nicht zum Besseren. Die Zeiten, als das Fink ein "In-Lokal" war, sind vorbei, nur der unbekannte Autor der Speisekartentexte versucht noch einmal, an sie zu erinnern. Der Mann (oder die Frau) verfügt ohnehin über gute Phantasie, so ist ebendort auch von "kulinarischen Köstlichkeiten in einzigartigem Ambiente" die Rede und von fairen Preisen.


Es ist Samstag Abend bei unserem ersten Besuch. Beim Inder wenige Meter weiter "unten", ist der Gastgarten voll. Am Glockenspielplatz und am Mehlplatz sitzen ohnehin Massen. Nur beim Egger's (Tschuldigung für den falschen Apostrophen, aber der ist original), da herrscht gähnende Leere. Das Bier ist gut gezapft, dennoch ist es mutig für eine oberösterreichische Brauerei, sich mitten in der steirischen Landeshauptstadt behaupten zu wollen. Die Abendkarte ist klein und belanglos, wie die Kollegin vom G7 richtig festhielt. Was sie bedauerlicherweise nicht schreiben wollte oder konnte: Auch das Essen ist zum Vergessen. Der Lachs-Wrap um stolze 4,80 EUR ist ein Verhau, besonders schlimm die süße Honig-Senf-Sauce. Pizzaiolo (5,10 EUR) soll laut Beschreibung ein warmes Sandwich mit Prosciutto, Kapern, Salamino, Tomaten und Mozzarella sein. Man kann aber auch Schinken-Käse-Toast dazu sagen. Das kann doch nicht alles sein, denken wir und testen einige Tage später auch das Mittagsmenü.

   

Für 7,50 EUR gibt es eine sehr salzige Kräuterrahmsuppe in der Müslischale, ein Pariser Schnitzel von der Pute mit klebrigem Erbsenreis und einen Obstsalat auf Orangensaft-Basis. Kantinenessen in der Innenstadt, ob das lange gut geht?

Egger's, Freiheitsplatz 2, 8010 Graz, Tel. 0316/833512