Thursday, August 4, 2011

Folge 20: Ausgleich!

Die Herzl Weinstube, idyllisch mitten in der Altstadt gelegen, gilt als einer der wenigen verbliebenen Beisl-Evergreens der Grazer City. Das Leben ist allerdings hart in der Gastrowüste Graz, auch Klassiker bleiben davon nicht verschont. Vor wenigen Tagen wurde dann der Ausgleich der Betreibergesellschaft angenommen, das Geschäft in der Herzl kann also weitergehen. Aus Anlass der frohen Nachricht wollten wir gleich einmal testessen. Das Wichtigste in aller Kürze: Die Terrasse ist immer noch ein Highlight, das Essen geht so.


Altsteirische Tischdeko

Der Tafelspitz vom Styria Beef (12,90 EUR) ist - von ziemlich vielen Flaxen abgesehen - okay, der Kren schmeckt nach gar nix, dass extra ein bisschen Suppe serviert wird, ist sehr aufmerksam vom freundlichen Kellner. Der Backhendlsalat (6,80 EUR) ist auch keine rechte Offenbarung, die Marinade ist schlecht verteilt, das Fleisch etwas zu sehnig.

Das ist er, der Backhendlsalat

Dann wagten wir uns ans Steirer-Tiramisu (3,80 EUR) - und das hätten wir auch bleiben lassen können. Das ganze ist sehr süß, schmeckt zu stark nach Zimt und hat mit dem italienischen Original wirklich gar nichts gemein. Angeblich war gerade heute eine neue Küchenbrigade am Werk, das erklärt dann doch einiges. Das schauen wir uns in ein paar Wochen noch einmal an, soviel ist sicher.


Hier gehts zum: Abgang

Die Herzl Weinstube, Prokopigasse 12/Mehlplatz, Tel. 0316/824300, Mo bis So 10.00–24.00 warme Küche, dieherzl.at

eine besonders interessante Subseite

Sunday, July 24, 2011

Folge 19: Der Analog-Mozzarella


Die PR-Abteilung von Graz nennt die Stadt neuerdings gern Genuss-Hauptstadt, was so ziemlich das seltsamste Etikett ist, das man dieser Gastrowüste umhängen kann. Nehmen wir nur die Sporgasse, eine der wichtigsten Durchzugsrouten für Touristen, malerisch, steil und bevölkert von nichtssagenden Lokalitäten. Nehmen wir noch konkreter die Goldene Pastete, eine der wenigen Traditionsgaststätten bis vor wenigen Jahren. Dann war die Luft draußen und es hieß, hier käme kein Lokal mehr rein.

Und jetzt das: Ein Beisl, eigentlich relativ nett renoviert, ein bisschen seltsam eingerichtet, aber es könnte was werden - wenn hier jemand wirken würde, der ernsthafte Absichten hätte. Statt dessen wird einem schon beim Eintreten entgegengerufen, dass man hier nur Toast bekäme. Auf Nachfragen wird einem dann auch noch Mozzarella mit Tomaten und Gebäck mit Aufstrichen angeboten. Beim Servieren des Biers wird gefragt, ob man auch ein Glas wolle. Und dann wird das Essen serviert. Brennheiße Brezeln aus dem Mikroofen, die man natürlich nur äußerst schwer mit Aufstrichen pimpen kann. Komplett unreife Tomaten (ein Kunststück zu dieser Jahreszeit), viel Kernöl und rechteckiger absolut geschmackfreier Mozzarella. Stand auf der Packung das Wörtchen "analog"?



Tipp: Schauen Sie sich das nur an, wenn Sie keinen Hunger haben.

Goldene Pastete, Sporgasse 28

Friday, July 15, 2011

Folge 18: Den Trüffel, den können Sie einrexen!


Das ist der Branzino mit Gröstl im Lovin.


In letzter Zeit erlebten wir leider zuweilen den Horror jedes Beislkritikers: Ein Lokal, das sich in den Wochen nach dem Test rapide verschlechtert. Das Siam Thai am neuen Standort? Viel teurer, sagen die einen. Und viel schlechter, ergänzen die anderen. Der Italiener in der Altstadtpassage? Auweh, sagte erst heut eine treue Leserin. Aber wenigstens diese Woche fühlen wir uns auf der sicheren Seite.

Das Lovin in der Münzgrabenstraße war ja nie schlecht (soweit wir uns erinnern können), aber mit dem neuen Betreiber Gerald Konrad und seinem bewährten Service-Team ist es jetzt auch noch sympathisch. Das Restaurant schwebt irgendwo zart über der 1-Hauben-Grenze, passt schon so. Ausgesprochen solide Weine (und eine entsprechende Auswahl!), schönes und vor allem auch schön angerichtetes Essen - hier weiß offenbar wirklich jeder, was er tut. Wir testeten zum Beispiel einen Caffe Latte mit Spargel und Mini-Quiche (5,50 Euro), schaumig-flaumig. Der Branzino (22 Euro) mit Spargel und Gröstl ist eine Wucht. Und dann kam das da...


Hallo, ich bin's der Tester, ich werde dich jetzt aufessen!

Der Kalbsrücken (22 Euro) herrlich rosa - und das beste daran war eindeutig das Trüffelpüree im Rexglaserl. Zu sehen hier u.a. außerdem die Crème brulée (€ 7) vom grünen Tee mit Erdbeersorbet.



Da zahlt es sich aus, ein bisschen Essensgeld zu horten und im Lovin zu reservieren. Das sei hiermit garantiert.

(Allfällige abweichende Meinungen bitte einfach ins Kommentarfeld schreiben, danke für die Mitarbeit)

LoVin, Münzgrabenstraße 36 / Ecke Brockmanngasse, 8010 Graz, Tel. 0316/919214-10, Mo–Fr 11 bis 24 Uhr, auf Anfrage auch Sa und So geöffnet, www.lovin.at

Wednesday, July 6, 2011

Folge 17: Das blaue Auge


Ein neuer Italiener. Mahlzeit.


Vor kurzem warf ein Leser uns, dem weitgehend anonymen Kollektiv der Gastrokritiker, etwas vor, das nicht ganz von der Hand zu weisen ist: Wir würden Neueröffnungen zu früh testen und den Wirten keine Chance geben, sich einzuleben. Im Falle des Italo-Restaurants Regina Margherita in der Altstadt-Passage lassen wir das allerdings nicht gelten. Erstens hat die Betreiberfamilie Barbaro sich in Wien bereits seit Jahrzehnten bewährt und weiß, wie man ein Lokal führt. Zweitens waren wir mittlerweile viermal im neuen Ristorante mit der Adresse Herrengasse Nr. 7 und drittens ist die Lokalität nun auch schon seit etlichen Wochen in Betrieb. Die Räumlichkeiten wurden schön renoviert, der Gastgarten ist ein Hit.


Unbezahlte Anzeige für Averna.


Das Essen ist meist solide. Die Nudeln manchmal etwas sehr al dente, der Fisch in der Regel sehr gut, wenn auch nachlässig filettiert. Die Pizza okay. Die Kinderpizza in Fischform sogar sehr nett. Die Nachspeisen variieren in Sachen Großartigkeit. Der Wein ist ausgesprochen gut. Und die Verständigungsschwierigkeiten mit dem süditalienischen Servicepersonal fallen wohl in die Kategorie "authentisch". Es gibt aber leider einige Probleme, die man als Stammgast nicht übersehen kann. Die Kellnerinnen und Kellner wirken müde und ausgebrannt. Da wird dem Kollegen rasch mal ein "Stronzo" entgegen geschleudert, was nicht unbedingt jedem Gast gefallen wird. Dass ein anderer Kellner überhaupt mit Veilchen aufläuft, macht dann schon ein wenig misstrauisch. Etliche Bestellungen werden vergessen. Immer wieder ist das eine oder andere "aus", was bei allem Verständnis auf die Dauer nervt. Und die Auslastung bereitet uns auch Kopfzerbrechen. An manchen Tagen ist richtig was los, an anderen aber tote Hose. Man kennt das von anderen Restaurants, die sich bei den Grazern nie durchsetzen konnten und deshalb vor der Zeit von uns gingen. Wollen wir hoffen, dass für die Barbaros in der Passage alles gut geht und das blaue Auge ein Einzelfall war.

Regina Margherita, Herrengasse 7 / Altstadtpassage zwischen Herrengasse und Prokopigasse, 8010 Graz, Tel. 0316/836525, Mo–Sa 11.30 bis 23 Uhr, www.barbaro.at

Thursday, June 30, 2011

Folge 16: Basilikum im Minimarkt

Mutig, gleich neben dem Khrua-Thai am Griesplatz in Graz ein Thai-Beisl zu eröffnen. Aber Jusuf Aubed aus dem Irak und Julalak Poolakhon aus Thailand wissen, was sie tun. Im Hinterzimmer ihres schon länger existierenden Thai-Markts gibt es seit einigen Wochen einen Imbiss, gar nicht so unähnlich dem hier schon besprochenen in der Keplerstraße.


Die Unternehmensdaten auf einen Blick...

Ausführliche Speisekarte, frisches Essen, ordentlich schaaaaaarf. Die Wan Tan Suppe schmeckt ein bisschen nach Zitronengras, ist kräftig gewürzt. Das grüne Curry mit Huhn ist große Klasse und treibt einem die Schweißperlen auch an kühlen Tagen auf die Stirn. Apropos: Thai-Bier gibt es natürlich auch, danke dafür!


United colours of Asia

Etwas ausgesprochen Feines ist auch Pad krapao, abgebrutzelter Basilikum mit Rind. Normale Preise ohne Selbstausbeutung, auch das ist durchaus okay finden wir. Und dass die Köchin eher auf der mürrischen Seite daheim ist, wen sollte das hier stören?


Multi-Kulti.

Asia Minimarkt Thai Imbiss, Griesplatz 24, 8020 Graz, Tel. 0664/6435888, Geschäftszeiten Mo–Sa 9–21 Uhr, Imbiss von 11–21 Uhr.

Friday, June 24, 2011

Folge 15: Triff mich dort



Dieser Beisl-Bericht ist ein Grenzfall. Nach unserem Besuch im ghanaischen Kulturverein "Meet me there" verkündete nämlich der Wirt, er wolle nicht in die Zeitung. Auf den Blog kommt das Beisl trotzdem, denn es macht Spaß dort einzukehren - und ob es sich um ein öffentlich zugängliches Lokal oder um einen Verein handelt, tut hier nichts zur Sache. Zur Not werden Sie halt zuerst Vereinsmitglied, bevor Sie bestellen dürfen.

Rund 20 Mitglieder zählt der ghanaische Kulturverein derzeit. Das Vereinslokal „Meet me there“, vor genau einem Jahr in der Jakob-Lorber-Gasse in der Nähe des Griesplatzes eröffnet, ist im vergangenen Dezember in die Elisabethinergasse übersiedelt. Der Wirt will in erster Linie die ghanaische Gemeinschaft stärken und diverse Aktivitäten organisieren, vom Fußball über Beratungsleistungen bis zu Kulturveranstaltungen. Die Ghanaer haben nicht nur mit den hierzulande üblichen administrativen Hürden und Vorurteilen zu kämpfen, sondern auch mit der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren viele Landsleute von Graz in Richtung England ausreisten. Die Räumlichkeiten im „Meet me there“ stellt man auch anderen Nationalitäten und Vereinen für Treffen gerne zur Verfügung. Vom stadtbekannten Maler ENKS kommt der Tipp, das nur nebenbei erwähnt. Früher einmal war an derselben Stelle ein Wettcafé namens Monte Carlo zu finden, die übrig gebliebenen dekorativen Versatzstücke an den Wänden, gemixt mit afrikanischen Elementen, sind dementsprechend originell anzusehen.


Tischdecke im "Meet me there"


Das Service ist leger und freundlich, das Angebot überschaubar. Einige täglich wechselnde Gerichte werden angeboten, zumeist gibt es Reis, Fleisch und Fisch. Ebendieses verkosteten wir dann auch als Kombination mit Rindfleisch, Sauce, die man hier „Stew“ nennt, und Rotbarsch. Eine große Portion mit einer angenehmen Dosis Schärfe wird da serviert, der Reis von tadelloser Konsistenz. Ein bisschen heißer könnte das Ganze sein, aber die Qualität ist auf jeden Fall sehr in Ordnung.

PS: Auf den Auslagenscheiben wird darauf hingewiesen, man möge so gut sein und nicht längere Zeit vor dem Lokal stehen. Möglicherweise sieht das die Exekutive nicht gern oder auch die angrenzenden Nachbarn. Innen drinnen jedenfalls ist es gemütlich duster, ein richtiges Beisl eben mit authentischer Küche aus Westafrika.

Kulturverein Meet me there, Elisabethinergasse 20, 8020 Graz, Mo–Sa ab 11 Uhr bis open end, So ab 14 Uhr.

Thursday, June 16, 2011

Folge 14: Es wird nichts so heiß gegessen wie gekocht...

Das ganze fängt mit dem Namen an. Schon seltsam, dass es bereits 2003 ein - allerdings nur temporäres - Lokal namens Prato in der Sackstraße gab. Muss man natürlich nicht wissen, aber recherchieren hätte man es können. Jetzt gibt es also ein paar Häuser weiter seit ein paar Wochen begleitet von viel medialem Tamtam wieder ein Prato - und dieses will wohl längerfristig an diesem edlen Standort bleiben.


Zumindest beim Corporate Design haben wir nicht gespart...

Die Betreiber, der Gastrojournalist Michael Pech, und der Multifunktionswirt Günther "Schiefe Laterne Carl" Plattner fahren das volle Siebentage- Programm. An sich ja eine feine Sache in dieser Stadt, aber wie lange das ohnehin nur teilweise routinierte Personal das wohl aushält? Man sprach im Vorfeld viel von der großen Grazer Kochbuchautorin Prato, von leichten Menüs designed by Frau Walleczek und von ganz irren Kombinationsmöglichkeiten, die der Küchenchef am Abend bieten würde.


Bei der Inneneinrichtung auch nicht...

Bei den beiden Testbesuchen war davon nicht allzuviel zu bemerken. Zu Mittag gibt es zwei unaufwändige Menüs, in etwa dem Motto folgend: "Klassiker, neu interpretiert". Schmeckt gut, ist preislich in Ordnung und haut niemanden vom rosaroten Designerhocker. Am Abend ist die Verwunderung dann schon groß als sich die großartigen Kombinationen darin erschöpfen, dass man ein paar Zutaten weglassen kann. So what? Das Steak ist gut. Der Fisch auch. Die Weine teilweise. Und das Gazpacho ist sogar sehr sehr gut. Aber deshalb so einen Wirbel zu veranstalten?


Aber gut, der Gastgarten kann schon was...

Prato im Palais, Sackstraße 16, 8010 Graz, Tel. 0316/232098, Mo–Fr 8–24, Sa 9–24, So 10–20 Uhr,
www.prato.at

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