Monday, February 23, 2015

Folge 77: Gerüchteweise in Graz




Die Schmiedgasse in Graz hat eine neue Pflasterung bekommen. Aber nicht nur das ist neu. Seit November werkt der Nürnberger Michael Wankerl in der Gerüchteküche, wo früher das Capperi residierte. Das Lokal präsentiert sich schlicht und ohne Chichi, aber mit weltoffener Verarbeitung von regionalen Grundprodukten, wie die Website verrät. Die Karte ist überschaubar und die Namen der Gerichte lassen nicht immer gleich erahnen, was sich dann am Teller präsentieren wird. So liest sich das „Tagesgerücht“, der wohlfeile Tagesteller um 8,90 EUR, schon mal so: Steiermark oder Italien? „Risotto # Kürbis # Kernöl # Senfblatt“. Das gefällt und steigert die Vorfreude.

„Kürbis # Sauermilch # Brot“ ist eine solide Kürbiscremesuppe, im Rexglas serviert mit Schwarzbrot-Croutons auf dem Glasdeckel.  Ein guter Start. Der Hauptgang „Sterz # Geflügelleber # Grammeln“ dann: Ein Gedicht. Cremige, weiße Polenta bildet die Basis für eine zart rosa gebratene Portion Hühnerleber, alles gut gewürzt. Die knusprigen Grammeln sind ein perfekter Kontrapunkt zu den sonst eher zarten Zutaten. Als Mittagsmahlzeit war die Portion dann allerdings doch zu gut gemeint und beim Zweitbesuch waren die Grammeln auch nicht mehr Teil des Gerichts. Mit „Seeforelle # gerösteter Lauch # Linsen“ war die Begleitung ebenfalls sehr zufrieden.

Ein Espresso und der täglich wechselnde Kuchen sind dann ein runder Abschluss. Alternativ stehen noch „Ziegenkäse # Sanddorn“ und „Schokolade # Rote-Rüben-Karamell“ zur Auswahl – für den nächsten Besuch. Die Getränkeauswahl ist, ähnlich der Speisenauswahl, gut sortiert. Säfte, das rundum empfehlenswerte Bier von Gratzer und eine feine Weinauswahl aus österreichischen Weinen komplettieren ein wirklich gutes Lokal in der Grazer Innenstadt. Empfehlung!
  
Die Gerüchteküche, Schmiedgasse 22, 8010 Graz, 0664 88318444, Montag bis Freitag 11 Uhr bis 23 Uhr (Küche bis 22 Uhr), www.geruechtekueche.org

Autor: UMT, der neue hochmotivierte Haubentaucher-Gast-Tester

Tuesday, January 20, 2015

Folge 76: An der schönen Autobahn

Lebring, das klingt fast wie eine steirische Auspuffmarke und hat auch einigen automobilen Bezug. Der größte Autofahrerverein des Landes hat hier ein großes Testzentrum und die Abfahrt der A9 zwischen Graz und Spielfeld ist eine der wenigen Attraktionen. Nicht, weil hier ein sehenswerter Kreisverkehr mit Blumenschmuck oder Kunsthandwerk wartet, sondern weil unmittelbar an der Abfahrt Lebring der Zieglerwirt zu finden ist. Speziell am Wochenende sind die Grazer und Leibnitzer Kennzeichen der PKWs am gut gefüllten Parkplatz ein Indiz dafür, dass an diesem Ort Qualität zu ausgesprochen vernünftigen Preisen geboten wird. Eines unserer Lieblingsgasthäuser in der Steiermark, das kann man ganz klar sagen. Und weil man sich hin und wieder vergewissern muss, dass eh noch alles in Ordnung ist, waren wir am vergangenen Sonntag in... erraten: Lebring.

 Die Lungenstrudelsuppe? Wie immer eine wunderbare Rindssuppe mit perfekter Einlage. Der Backhendlsalat? Wahrlich beliebt bei Alt und Jung. Der gekochte Tafelspitz? Zartes Fleischerl und das alles mit einem wahnwitzig guten Apfelkren und einer mehr als großzügigen Portion Röstkartoffeln versehen. Höhepunkt der Veranstaltung an diesem Tag war aber ganz klar das Schulterscherzl mit Püree und Gemüsestreifen. Dazu bekommt man bei Familie Schweinzger serienmäßig erstklassige Bedienung sowie Wein- und Dessertkultur. Und die Winterjacken erinnern einen auch nach Stunden noch daran, dass man nicht im neuen gut durchlüfteten Veggie-Restaurant war, sondern in einem richtigen steirischen Wirtshaus. Bravo!


Zieglerwirt, Stangersdorf 13, 8403 Lebring, Tel. 03182 2410, Di Ruhetag, Sonn- und Feiertag ab 16 Uhr geschlossen, die Website präsentiert sich ausgesprochen übersichtlich: http://zieglerwirt.at/

Friday, January 9, 2015

Folge 75: Ein Scherzerl in Ehren

Tom Riederer, einer der unzweifelhaft besten Köche der Steiermark, ist ein vergleichsweise ruhiger und in jedem Fall dezenter Gastgeber. Die Übersiedlung von Leutschach nach St. Andrä im Sausal passt da durchaus ins Programm. Weiter entfernt von den touristischen Trampelpfaden, für Gourmets erreichbar, für Kritiker aber nicht einfach im Vorüberfahren "mit zu nehmen". Der alte Pfarrhof, durch den uns Riederer und seine Frau Katarina zu Beginn unseres Besuches führen, vereint ein paar außergewöhnlich stilvolle Hotelzimmer im alten Gemäuer (mit Zugang zum Garten und zum Pool), einen bestens sortierten Weinkeller und ein schön renoviertes und mit einem Kubus erweitertes Haupthaus.

Auf Details hat man bei der Planung und der Einrichtung wirklich rundum geachtet, das Besteck kommt aus bestem französischem Hause, die Gläser sind eine Spezialanfertigung, es gibt Drehsessel an den Tischen, feinstes Leinen von Leitner und ein überzeugendes Farbkonzept. Die Küche, auch die dürfen wir besichtigen, ist groß, elegant, technisch auf dem neuesten Stand und vor allem: Picco bello!

Das kulinarische Grundkonzept von "Tom kocht" wurde beibehalten, ein Überraschungsmenü in rund 10 Gängen (inklusive den Grüßen aus der Küche um 99 EUR), das viele vorwiegend heimische Zutaten mit dem einen oder anderen ungewöhnlichen Bestandteil mixt. Dazu gibt es eine Weinbegleitung (in der Regel zwischen 38 und 49 EUR), die man nach Belieben ergänzen oder auch verkürzen kann. Liebhaber vegetarischen oder veganen Essens sollten ihre Vorlieben vorab telefonisch bekannt geben. Die Chefin ist neben dem Service vor allem auch für die Weine zuständig, hat solides Wissen über die hiesigen Angebote, speziell auch im sich erfreulich entwickelnden Bio-Bereich.

Die optische Inszenierung des Essens ist im Vergleich zu den Leutschacher Zeiten des Tom Riederer zurückhaltender geworden. Die Qualität ist wie gewohnt in der hiesigen Top-Liga angesiedelt. Das große Speisen beginnt mit Kugeln aus knusprigem Kalb mit Paprikaspeck dazu gibt es Pomeranzensaft. Es folgt eine herzhafte Essenz vom Kalb mit Paradeisermus und dann ein fantastisches Kalbsbeuschel. Rohmilchkäse, Walnusstapenade und hausgemachtes Kartoffelbrot bilden einen charmanten Zwischengang, ehe es zum Fisch geht. Der Kärntner Lachs (Foto) mit "angetrockneten" Erdäpfeln und einer selbst groß gezogenen herrlich aromatischen Zitrone ist ein Gedicht. Das Sulmtaler Ei mit Kichererbsenpüree steht dem freilich um nichts nach. Eine Entdeckung dabei: Die Belper Knolle aus der Schweiz, die darüber gerieben wird.

Bei den Hauptgängen (keine Angst, die Portionen sind wie ersichtlich nicht so groß, dass man platzen würde) wird zuerst Barsch mit Paradeiserkraut und Kümmelbröseln geboten, geschmacklich noch übertroffen von der Perlhuhnbrust mit einem Wachtelei und grandios fruchtiger Tomate. Der klare Protagonist des Abends ist dann das Stierscherzl (Foto) mit Spinat, Wurzelwerk, einem tollen Rotkrautkompott und einem kleinen Stück ungestopfter Gänseleber. Besser geht es wohl kaum und in der Relation führen einen die Desserts dann folglich auch nicht zu noch größerer Begeisterung. Der Blauschimmelkäse dominiert über Apfel und Brioche, das Nusstabulé mit Kokos und Kokosmilcheis ist nett, aber unaufregend, wie auch der abschließende Hanfkuchen mit Mascarpone und Mangoeis. In Summe jedenfalls ein grandioser kulinarischer Ausflug, der von Graz aus in einer Dreiviertelstunde aus bewältigbar ist.

Prädikat: Sollte man gesehen und gekostet haben!

Tom R., St. Andrä im Sausal 1, Tel. 0660-4008734, MI-SA ab 19 Uhr, 
Reservierung unter www.tomr.at

Fotos: haubentaucher.at






Monday, December 8, 2014

Folge 74: Hinter den sieben Bergen

Das verlängerte Wochenende rund um den 8. Dezember nutzten wir für einen Ausflug in die Berge. Genauer gesagt nach St. Kathrein am Offenegg. Was es dort hoch oben im Almenland zu sehen gibt? Etliche Wanderrouten mit Attraktionen wie "Flugzeugabsturzstelle" oder "Schönes Kreuz" - und vor allem das Hotel-Restaurant Eder. Gediegene vier Sterne, eine nette kleine Wellness-Landschaft, angenehm normale Klientel ohne fette Bonzenmobile. Und ein Duo in der Küche, das seit Jahren grandiose Arbeit leistet. Unbemerkt von der Öffentlichkeit kann man jetzt nicht gerade sagen, Eveline Wild ist TV-Köchin auf ORF und ZDF, Konditorweltmeisterin und beim Eder unter anderem für die traumhafte Schokothek und das grandiose Kuchenbuffet verantwortlich.

Ihr Lebensgefährte Stefan Eder ist uns schon vor etlichen Jahren als großes Talent aufgefallen und er hat seine Fähigkeiten in der Zwischenzeit weiter perfektioniert. Als Hotelgast speist man abends fünfgängig, zuweilen kann man auch noch gegen Aufpreis zwei Gänge mehr bekommen. Man wird leicht satt, soviel vorweg. Neben schön cremigen Suppen zählt der asiatisch marinierte Schweinebauch zu den Spezialitäten von Stefan Eder. Süßsauer, hauchdünn geschnitten, reich an spannenden Aromen. Dann folgt Zwerchrippe vom Almo auf cremiger Polenta, herzhaft das Fleisch, zart milchig die Beilage.



Diesem Genuss steht das Zanderfilet mit schwarzem Risotto und Dillgurken um nichts nach. Und am Ende gibt es ein geschmeidiges Topfensouffle mit Früchten. Wer dann noch nicht genug Obst gehabt hat, darf sich noch ein Vogelbeerschnapserl bestellen. Hochgenuss auf 972 Metern über dem Meer.








Hotel-Restaurant Eder, 8171 St. Kathrein am OffeneggI.Viertel 3, Tel. 03179 / 8235-0, www.wellness-eder.atDie Facebook-Seite vom Eder

Wednesday, October 1, 2014

Folge 73: Fischbruch ist kein Malheur

Oft wird man als Beisl-Blogger nach Lokaltipps gefragt und in einer Stadt wie dieser tut man sich da nicht gerade leicht. Dennoch: Es gibt sie, die kleinen feinen Erlebnisse ohne großes Brimborium, die jedermann und jederfrau leicht zugänglich wären. Eines der meist frequentierten Lieblingsbeisln unserer Redaktion ist daher gar kein Beisl, sondern ein Standl. Wobei dieser Begriff neuerdings zu kurz greift, aber dazu gleich später.

Seit dem Jahr 1930 (!) verkauft Familie Meltschok bereits Fisch am Kaiser-Josef-Platz. Seit kurzem in einem rundum erneuerten Verkaufslokal, das deutlich schicker wirkt, an das man sich aber erst gewöhnen musste. Die Abläufe sind neu, die Vitrinen werden noch tiefer gesetzt, aber es schaut schon jetzt sehr ordentlich aus. Die Klassiker zu Mittag sind angenehmerweise dieselben geblieben. Fischbruch um heiße 7 EUR oder ein Mittagsgericht um 8,50 EUR inklusive Kartoffeln und Salat. In Bezug auf Letzteres empfehlen wir Wagemutigen den grasgrünen Algensalat Wakame, der besonders in Japan und Korea sehr beliebt ist und dem sogar vorbeugende Wirkung gegen Karzinome zugeschrieben wird. Was den Fisch angeht, wählt man am besten nach eigenem Gusto. Der eine schätzt nach wie vor den Thun, der andere ist meeresbiologisch korrekter und bestellt Saibling. Beim Meltschok gibt es all das ohne Grundsatzdiskussionen, aber dafür gerne auch mit einem Glaserl vom Weißen. Oder allenfalls auch mal ein Huhn. So soll es sein.

Meltschok, Kaiser-Josef-Platz Stand 59-61, 8010 Graz, DI-FR 7.30 bis 13.30, Sa bis 13 Uhr, SO und MO geschlossen. 
 
© Foto: haubentaucher.at 2014

Thursday, September 11, 2014

Folge 72: Gemma zu ihm?

Offenbar will man uns mit allen Mitteln zwingen, diesen Beislblog wieder zu beleben. Jetzt eröffnete doch glatt direkt vor der Haustür unseres Redaktionsbüros eine neue Bar. Und der Architekt bestand geradezu darauf, dass wir uns das anschauen sollten. Also gut, Lui, hier sind wir. Feierlich eröffnet im Waschelregen wurde die Lokalität von Martin Girtler, der aus Sterzing in Südtirol stammt, am 11. September. Offen aber hat Lui schon etwas länger und sowohl die Gestaltung des Gastgartens als auch das Interieur lassen Vorbeigehende große Augen machen. 



Das Konzept ist tatsächlich neu in dieser Stadt. Großes Klappfenster nach außen, das bei gutem Wetter geöffnet wird. Innen eher dunkel, aber auch irgendwo in der magischen Mitte zwischen stylish und gemütlich. Die gute Tisch- und vor allem Weinkultur ist dann das nächste, das auffällt. Die Speisekarte ist klein, aber fein. Wir verspeisten Focaccia mit Scamorza (einem Käse, der dem Mozzarella ähnelt) und Tomate sowie eine Variante mit Prosciutto zu je 4,90 Euro. Schmackhaft, sättigend, nicht so aufregend, dass man dafür alles liegen und stehen lassen würde. Das selbe gilt für die Minimuffins, die man als Dessert serviert. Aber Lui ist ja auch keine Osteria, sondern eben eine Bar. Und da zählt der Wein - der Wirt importiert mit Sachverstand selbst gute Tropfen aus Italien, darunter viele biologische und biodynamische - und naturalmente der Kaffee zu den wichtigeren Dingen.

Martin Girtler nennt sein Lokal übrigens nicht aus Jux und Tollerei "Aperitivo", sondern ob der Beobachtung, dass es diesen italienischen Typus zumindest in Ost-Österreich derzeit noch nicht gibt. Auch wenn Lui den ganzen Tag über geöffnet hat, die Prime-time erlebt ein "Aperitivo" nach der Arbeit ab 18 Uhr. Und schlägt der Konkurrenz in Form der Cafés, die bereits um 20 Uhr schließen, ein Schnippchen ohne gastronomisch mit Restaurants mithalten zu wollen. Zu den Drinks gibt es kleine Häppchen, so einfach und mediterran kann das Leben sein. Ach ja, der Name kommt vom Ausdruck für "Gemma zu ihm" (nämlich zum Wirten), den man besonders im Piemont sehr oft zu hören bekommt. Und das heißt eben im Original "andiamo da lui". Und das machen wir jetzt auch öfter nach der harten Arbeit in der Haubentaucher-Zentrale.  


LUI Aperitivo, Färbergasse 7, 8010 Graz, lui-bar.com, Tel: +43 660 12 23 287, MO-FR 9-24 Uhr, SA bis 02 Uhr. 

Fotos: alexander rauch / lui 

Saturday, August 30, 2014

Folge 71: In der Zeitung

Es ist einfach verhext. Noch immer fragen Leserleins nach, ob wir nicht dies oder jenes neue Beisl in Graz besprechen könnten. Erstaunlicherweise sperrt ja doch der eine oder die andere Wagemutige selbst in schwierigen Zeiten auf. Na super und jetzt kommt auch noch die Krone daher und berichtet über diesen Blog, der eigentlich so schön zur ewigen Ruhe gebettet war.

Also gut: Überredet. Ab 7. September 2014 geht es wieder los. Aber bis dahin müssen Sie jetzt ganz stark sein. Und durchhalten.

Mahlzeit...